Baltischer Küstenwanderweg - Routenverlauf

Der nationalpark Matsalu und die Westestnischen inseln

Die Bucht Matsalu und die Inseln Saaremaa, Muhu, Hiiumaa, Vormsi
Virtsu – Puise: 100 km, Tage: 42–46

Der Baltischen Küstenwanderweg verläuft durch den Nationalpark Matsalu – eines der größten Feuchtgebiete in Nordeuropa. Dazu gehören die Bucht Matsalu, der Unterlauf des Flusses Kasari, Schilfgebiete, die Überschwemmungswiesen von Kasari, Küstenweiden, Wiesen mitten im Wald und etwa 50 Meeresinseln. Im Nationalpark Matsalu gibt es einen Naturpfad und 7 Türme zur Vogelbeobachtung. Dieses Territorium wird vom Weißmeer-Ostsee-Migrationsweg der Seevögel durchquert. Hier kann man Hirschen, Elchen, Füchsen und andere Tieren begegnen. Der Baltische Küstenwanderweg verläuft in diesem Gebiet auf Kieswegen und führt durch das Städtchen Lihula. Auf die westestnische Inselgruppe – Saaremaa, Vormsi und Hiiumaa – gelangt man mit der Fähre von den Häfen Virtsu oder Rohuküla.

ETag 42. Virtsu - Kuke.

Durch Orchideen und Wacholderfelder

Der Baltische Küstenwanderweg krümmt sich durch das Dorf Virtsu hindurch, hinter dem er auf einer Länge von 3 km der Landstraße entlang verläuft. Danach biegt er im rechten Winkel nach Nordwesten ab und schlängelt sich durch den Windpark und den ehemaligen sowjetischen Militärflughafen weiter. In dessen Umgebung blühen im Sommer reichlich Orchideen. Weiter bietet sich ein Blick auf die Suur Väin-Meeresenge und auf wunderschöne Wacholderfelder. Kurz vor dem Bach Jõeoja verläuft der Pfad auf einer Länge von etwa 1 Kilometer dem oberen Teil der alten Küste entlang.


MTag 43. Kuke - Meelva.

Durch Orchideen und Wacholderfelder

Der Baltische Küstenwanderweg verläuft auf kleinen Waldwegen. Auf diesem offenbaren sich dem Auge eine Landschaft mit Einzelhöfen und bearbeitetem Boden . Kommt man näher an die Matsalu-Bucht, kommen die ersten Feuchtgebiete zum Vorschein - dicht bewachsene Seen, die einst vom Meer als Buchten und Küstenwiesen für Weidevieh abgetrennt wurden. Unweit der Dörfer Mõisaküla (Beginn des Nationalparks Matsalu) und Salevere erblickt der Wanderer ausgeprägte Hügel. Sie waren vor mehr als 10 000 Jahren die Inseln des Baltischen Eissees.


MTag 44. Meelva - Penijõe.

Auf den Spuren von Heinrichs Livländischer Chronik

Dieser Abschnitt des Baltischen Küstenwanderweges beginnt und endet im Nationalpark Matsalu. Er verläuft jedoch zum größten Teil außerhalb des Parkterritoriums. Die Aufmerksamkeit des Wanderers fesseln hier kleine Dörfer und Waldwege mit gepflegten Gehöften und schönen rustikalen Landschaften, wo Pferde und Schafe grasen. Gleiches gilt für Lihula, die erste Hauptstadt des Bistums Ösel-Wiek (Saare-Lääne). Sie wird in Heinrichs Livländischer Chronik mittelbar im Zusammenhang mit den Geschehnissen des Jahres 1211 erwähnt, als Abt Theoderich von Dünamünde zum ersten Bischof Estlands erhoben wurde.


MTag 45. Penijõe - Laiküla.

Rund um das größte Feuchtgebiet Nordeuropas

Der Baltische Küstenwanderweg verläuft im Bogen um die Deltamündung des Flusses Kasari bis zu dessen Mündung in die Matsalu-Bucht. Dort hat sich eines der größten Feuchtgebieten Nordeuropas mit weiten Rohrfeldern, Küstenwiesen, alten Flussarmen und den flachen Gewässern der Bucht herausgebildet. Das Feuchtgebiet ist ein wichtiger Brutort und Rastplatz während des Vogelzugs. Der größte Teil des Streckenabschnitts verläuft durch landwirtschaftliche Nutzflächen und kleine Dörfer. In der Umgebung des Dorfes Kirbla kann es eine Geländeerhöhung erkennen- die ehemalige Insel des Baltischen Eissees mit dem Altufer auf deren nördlichen Seite.


MTag 46. Haeska - Puise.

Vogel- und Naturbeobachtung im Nationalpark Matsalu

Eines der bezauberndsten Strecken des Baltischen Küstenwanderweges im Nationalpark Matsalu. Sie führt durch landwirtschaftliche Nutzflächen und Küstenwiesen, auf denen sich im Herbst tausende von ziehenden Kranichen und Gänsen sammeln. Das Dorf Haeska (Küstenwiesen, wasserarme Buchten, kleine Inseln und Weiden) und die Umgebung des Puise-Kaps (Küstenwiesen mit Weiden und Sandbarren) sind ausgezeichnete Orte zur Vogelbeobachtung. Dazu wurden mehrere Türme aufgestellt. Aus den Dörfern Põgari-Sassi und Puise nina heraus bietet sich malerischer Aussichten auf das Meer und die Inselketten.


Die Insel Vormsi und Die Insel Kihnu.

Die viertgrößte estnische Insel ist bequem zu Fuß begehbar oder mit dem Rad befahrbar. Die Insel Kihnu ist die größte Insel in der Rigaer Meeresbucht und die siebtgrößte estnische Insel.

Die Insel Vormsi

Die Insel ist für eine mehrtägige Wanderung durch ein von Menschen unberührtes Gebiet perfekt geeignet, besonders ideal für Ruhesuchende. Die Küstenwiesen, das Schilfgebiet und die Buchten sind Lebensraum für verschiedene Vogel- und Pflanzenarten. Auf dem 7 Kilometer langen Wanderpfad, der die Halbinsel Rumpo durchquert (Nr. 2, GPS: 58.970218, 23.265418), kann man seltenen Flechtenarten begegnen und Meeresvögel beobachten. Die Insel Vormsi wurde im 13. Jahrhundert von Schweden gegründet. Gerade das schwedische Kulturerbe, die für Schweden typischen Häuser in Schwedenrot und die interessanten schwedischen Dorfnamen machen die Insel Vormsi zu einer der einzigartigsten Inseln der Ostsee. Eine gute Übersicht über die ehemalige schwedische Lebensart bietet das Landleben-Museum von Sviby (Sviby talumuuseum) (Nr. 3, GPS: 58.985012, 23.301669). Anhand von Fotos und Erinnerungen der geflohenen Küstenschweden ist der Bauernhof der Küstenschweden vollständig wiederhergestellt worden.

Im Friedhof von Vormsi (Nr. 4, 58.999338, 23.232949) sind mehr als 330 verschiedene Radkreuze erhalten geblieben. Es ist die weltweit größte Sammlung solcher Kreuze. Das bedeutendste historische und kulturelle Denkmal – die im 14. Jahrhundert erbaute St. Olav Kirche (Püha Olavi kirik) (Nr. 4, GPS: 58.999338, 23.232949) zeichnet sich dadurch aus, dass sie keinen Turm hat. Im Sommer kann man
in der Windmühle Rälby (Rälby tuulik) (Nr. 5, GPS: 59.011983, 23.283609) Handarbeiten örtlicher Künstler kaufen.

An der Küste von Saxby, wo Kalkstein entblößt ist, finden Sie Fossilien von Lebewesen finden, die vor Millionen von Jahren im tropischen Seichtwasser-Meer gelebt haben. Hier befindet sich auch der Leuchtturm von Saxby (Saxby tuletorn), von dem aus sich ein bezaubernder Ausblick auf das Meer und die Insel eröffnet (Nr. 6, GPS: 59.027647, 23.117274). Einer der fesselndsten Orte der Insel Vormsi ist der inmitten der Insel stehende und vom Kieferwald umgebende Kalksteinhügel Huitbergi und der 3 Kilometer lange Wanderpfad von Huitbergi (Huitbergi matkarada) (Nr. 7, GPS: 58.993161, 23.181986).

Die Insel Kihnu

Ihre Gesamtfläche beträgt 16,9 km², und die Insel ist 7 Kilometer lang und 3,3 Kilometer breit. Kihnu ist ein wunderbarer Zielpunkt für einen ein- oder zweitägigen Ausflug, um die Insel zu Fuß zu entdecken oder sie mit dem Fahrrad zu erkunden, die man auf der Insel mieten kann. Die Fahrt mit der Fähre erfolgt vom Hafen Munalaiu zum Hafen Kihnu (Nr. 1, GPS: 58.14095, 24.01846.). Im harten Winter wird Ihnen der zur Insel führende Eisweg in unvergessliches Erinnerung bereiten.


Die ehemalige Insel von Robbenjäger und Fischer mit ihren aktuellen 600 Einwohnern kämpft hartnäckig um die Aufrechterhaltung ihrer Identität. Die einzigartigen Eigenschaften des mit dem Prädikat UNESCO-Welterbe geadelten Kulturraums Kihnu sind die Lebensart der Gemeinde, die vielseitigen Kulturtraditionen, eigene Sprache, Musik, Volkstracht und Natur. Auch heute noch kann man Frauen in langen gestreiften Röcken mit einem geflochten Korb in der Hand begegnen, die auf einem Motorrad unterwegs sind.


Zur Entdeckung der Kultur- und Naturvielfältigkeit der Insel Kihnu ist am besten die 23 Kilometer lange Küstenroute geeignet. Sie durchquert die vier Dörfer Sääre, Linaküla, Rootsiküla und Lemsi. Das Museum von Kihnu (Nr. 2, GPS: 58.13317, 23.98255) heißt das das ganze Jahr hindurch Besucher willkommen. Im Museum erlangt man spannende Einblicke in die Geschichte der Insel, darunter auch ins Leben des berühmten Kapitäns Kihnu Jõnn. Sehenswert sind auch die Kirche (Nr. 3, GPS: 58.13314,
23.98331) und der Friedhof (Nr. 4, GPS: 58.13818, 23.98761.) von Kihnu gegenüber dem Museum. Vom Leuchtturm aus (Nr. 5, GPS: 58.09705, 23.97111) kann man einen wunderbaren Ausblick auf die Insel, die umliegenden Sandbänke und das Meer genießen. Der Gedenkstein am ehemaligen Haus von Kihnu Jõnn (Nr. 6, GPS: 58.11535, 23.99403.) berichtet über den legendären “wilden Kapitän“.


Hiiumaa Insel.

Nur eine Stunde Fährfahrt vom Festland Estlands entfernt befindet sich die Insel, auf der die Uhren anders ticken.

Die langsame und bedächtige Lebensweise der Einheimische wird gewürzt durch ihren angeborenen Sinn für Humor. Hiiumaa ist vor 455 Millionen Jahren infolge einer Meteoritenexplosion entstanden und somit eine der ältesten Inseln der Welt.


Die unberührte Natur der zweitgrößten estnischen Insel ist ideal geeignet für Wanderer und Radfahrer. Auf dieser Insel ist wie ein riesiges Spa – viel Sonne, das beruhigende Rauschen der Meeresbrandung, kleine Kieselsteine am Strand, die eine schöne Fußmassage versprechen, und das salzige Meereswasser, das Leib, Seele und Geist heilt. Die langen Sandstrände sind der perfekten Ort für eine aktive Erholung. Die windige und stürmische Landspitze Ristna ist ein echtes Surfer-Paradies. Zu einem romantischen Spaziergang lädt die Landzunge Sääretirp ein. Dort grasen zwischen den Wacholdern der Halbinsel Kassari friedliche Schafe geruhsam vor sich hin.


Die bekanntesten Wahrzeichen der Insel sind drei Leuchttürme. Kõpu ist einer der drei ältesten Leuchttürme der Welt, der heute noch in Betrieb ist. Die Leuchttürme Ristna und Tahkuna sind vom Büro des weltberühmten Ingenieurs Gustave Eiffel entworfen worden. Auf der Spitze des Leuchtturmes angekommen, kann man einen bezaubernden Ausblick auf das waldreichste Gebiet Estlands genießen.


Auf der Insel Hiiumaa sind noch immer die Boote aus Holz und die Männer aus Stahl. Erlebenswert ist ein Ausflug mit dem Segelschiff “Lisette” oder “Hiiu Ingel”. Anstatt mit der Fähre zu fahren, kann man in den kalten Wintermonaten auch die mit 26 Kilometern längste Eisstraße Europas ausprobieren. Die Hauptstadt der Insel Kärdla ist einer der grünsten Städte Estlands. Hier kann man sich in einem gemütlichen Ferienhaus am Meer oder in einer örtlichen Kneipe – am besten bei einem Glas Hiiu-Bier und Räucherfisch – vom Stadtlärm erholen.
 


Saaremaa, Muhu und Ruhnu Inseln.

Die größte estnische Insel, die von tausenden kleineren Inseln und Inselchen umschlossen ist, hat ihren ehrenvollen Namen nicht umsonst verdient.

Nach einer halbstündigen Fahrt mit der Fähre kommt man auf der Insel Muhu an. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein – im Laufe der Zeit haben sich die Traditionen nicht erheblich verändert. Die Insel Muhu ist durch ihre wunderschönen Handarbeiten bekannt. Die hellen Farben und die Blumenstickerei sind inspiriert von der blühenden Insel im Sommer. Hier blühen mehr als 25 unter Schutz stehende Orchideenarten. Die Freilegungen und Steilküsten des nördlichen Strandes zeigen vor etwa 440 Millionen Jahren entstandene fossilienreiche Siluraufschlüsse.

Der Damm über die kleine Meeresenge ist ein beliebter Platz zum Vogelbeobachten Während des Vogelzugs wird dieser Ort von tausenden Wasservögeln und Sperlingsvögeln überflogen. Spannende Erlebnisse bietet der Nationalpark Vilsandi im westlichen Teil der Insel Saaremaa. Bei niedrigem Wasserstand kann das Meer bis zur Insel Vilsandi durchwatet werden. Die Chancen, Robben zu sehen, stehen nicht schlecht.

Neben der schönen Natur lohnt es sich, den Kurort Kuressaare zu besuchen. Hier kann man sich mehrere Tage lang die Zeit vertreiben – mit Wellness-Prozeduren oder Spaziergängen durch die gemütliche Altstadt. Im bekanntesten Wahrzeichen der Stadt – dem prachtvollen Bischofsschloss
aus dem 14. Jahrhundert – befindet sich heute das Museum von Saaremaa. Auf der Insel Saaremaa
warten auf Sie eine historische Stadt mit hübschen Cafés, in denen lokale Gerichten, auf Saaremaa geräucherter Fisch und hauseigenes Bier angeboten wird. Auch gibt es ein breites Angebot an Wellnesshotels oder kleinen Bauernhöfen.

Wenn Sie des Stadtgetümmels überdrüssig werden und sich wieder nach der Natur sehnen, dann wartet auf Sie nur einige Stunden vom Hafen Roomassaar entfernt die Perle der Rigaer Bucht – die Insel Ruhnu.